Frischer Wind für alte Dorfkirchen

900 Dorfkirchen in MV stehen vor der Zukunftsfrage. Ein neues Projekt bringt Bewegung – mit kreativen Ideen, digitalen Werkzeugen und praktischer Unterstützung.
In Mecklenburg-Vorpommern prägen rund 900 Dorfkirchen das Landschaftsbild – manche gut besucht, viele nur noch selten geöffnet. Doch ihr Potenzial als Orte für Gemeinschaft, Kultur und Begegnung bleibt groß. Das Projekt „Dorfkirche – da geht was!“ will genau hier ansetzen: motivieren, vernetzen und Wege aufzeigen, wie aus scheinbar stillgelegten Räumen lebendige Zentren im Dorf werden können.
Plattform sacris.de: Ideenpool für neue Nutzungen
Herzstück des Projekts ist der neue Internetauftritt sacris.de. Die Plattform richtet sich an Kirchbauvereine, Initiativen aus Gesellschaft und Kirche sowie Kulturschaffende. Sie bietet nicht nur Informationen zu bestehenden Kirchengebäuden und deren Nutzungsmöglichkeiten, sondern auch eine stetig wachsende Sammlung kreativer Ideen: von Ausstellungen über Lesungen bis hin zu Musik- und Theaterprojekten im Kirchraum.
Besonders hilfreich für alle, die sich engagieren wollen: Checklisten für Veranstaltungsplanung, Antworten auf häufige Fragen zur Nutzung und Hinweise auf Förderprogramme wie „Aktion Mensch – Begegnungsräume“. Ergänzt wird das Angebot durch Praxisbeispiele wie „Dorfkirche mon amour“, die zeigen, was möglich ist, wenn kulturelle und soziale Kräfte vor Ort zusammenwirken.
Vier Orte, vier Treffen, viele Ideen
Bereits 2025 startet eine Reihe von Beratungs- und Vernetzungstreffen an vier Orten in Mecklenburg. Ziel ist es, Engagierten eine Bühne zu bieten, Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse zu setzen. Dabei spielt auch die regionale Nähe eine Rolle – wer teilnehmen möchte, kann sich das passende Treffen aussuchen.

Termine 2025
- 11. April 2025 – Güstrow, Kirchenkreisverwaltung, Sankt-Jürgens-Weg 23
- 20. Juni 2025 – Dorf Mecklenburg, Pfarrscheune, Bahnhofstraße 39
- 12. September 2025 – Kratzeburg, Pfarrscheune, Dorfstraße 11
- 7. November 2025 – Kuppentin, Dorfkirchengeschichtsmuseum, Mühlbachstraße 5
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist notwendig. Sie kann bis zwei Wochen vor dem jeweiligen Termin per E-Mail an kersten.koepcke@elkm.de erfolgen.

Impulse aus dem „Kirchenmanifest“
Die Idee zur Projektgruppe „Dorfkirche – da geht was!“ entstand 2024 auf Initiative der mecklenburgischen Pröpstinnen und Pröpste. Der Hintergrund: das im selben Jahr veröffentlichte Kirchenmanifest, das deutschlandweit Aufmerksamkeit erzeugte. Es fordert eine offene Debatte über die gesellschaftliche und kulturelle Rolle von Kirchengebäuden – insbesondere angesichts von Leerstand, Verfall und Abrissgefahr.
Die Projektgruppe um Kersten Koepcke (Kirche & Tourismus), Christian Meyer (ELKM), Sebastian Kühl (PEK) und Dr. Anna Luise Klafs vom Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche greift diesen Impuls auf – und übersetzt ihn in konkrete Angebote vor Ort.
Kirche als Wohnzimmer des Dorfes
Das Projekt versteht sich als Plattform und Werkzeugkasten zugleich. Es bietet Managementwissen, erprobte Veranstaltungsformate und Kontakte zu Förderstellen – ohne, dass jedes Dorf bei Null anfangen muss. Dabei geht es nicht nur um große Konzepte. Auch kleine Schritte, wie eine Lesung, ein Filmabend oder eine Ausstellung im Kirchraum, können neue Perspektiven eröffnen.
Kirchenräume sollen so als Wohnzimmer des Dorfs wiederentdeckt werden – offen für Nachbarschaft, Kultur, Bildung oder Tourismus. Die Beteiligten setzen dabei bewusst auf einfache Formate, die zum Mitmachen einladen. Denn nicht jede Kirchengemeinde hat hauptamtliche Kräfte, aber oft engagierte Menschen mit guten Ideen.
Mehr als Denkmalpflege: lebendige Kulturorte schaffen
Die Dorfkirche wird in diesem Projekt nicht als musealer Ort verstanden, sondern als Möglichkeitsraum. Ob Theaterprojekt, Repair-Café oder Lesekreis – entscheidend ist, dass der Raum genutzt wird. Dabei spielt Kultur eine zentrale Rolle, als Bindeglied zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Generationen, zwischen Einheimischen und Gästen.
So wird das Projekt zu einem Impulsgeber – nicht nur für Kirchbauvereine, sondern für ganze Dorfgemeinschaften. Es ermutigt dazu, die Kirche wieder als das zu sehen, was sie über Jahrhunderte war: ein Ort des Miteinanders, ein Symbol für Identität und ein Raum, der gestaltet werden darf.
Hintergrund und Förderung
Das Projekt „Dorfkirche – da geht was!“ wird in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Kirchlicher Dienste Mecklenburg umgesetzt. Es ist Teil eines landesweiten Engagements zur Stärkung kultureller Infrastruktur im ländlichen Raum. Eine Anbindung an bestehende Programme des Kulturministeriums ist gegeben.
Mit www.sacris.de steht nun erstmals eine zentrale Plattform zur Verfügung, die Kultur, Kirche und Gesellschaft vernetzt – praxisnah, inspirierend und offen für neue Wege.
Mehr Informationen und Termine:
Anmeldung zu den Vernetzungstreffen: kersten.koepcke@elkm.de